... im finnischen Outback. Das ganze findet jedes Jahr in Hyytiälä, der
Waldforschungsstation der Universität von Helsinki, statt. Hyytiälä
liegt 220 km nordöstlich von Turku an einem See im Wald. Hier mal zwei
über das Anwesen von googlemaps (wenn man drauf klickt, kann man sie
sich auch noch größer zeigen lassen):
Die Lage - im Wand eben :)
Ein kleiner Übersichtsplan.
Los
ging es am Freitag morgen um 8:00 Uhr an der Universität, ich habe noch
schnell mein Poster vom Büro geholt und dann zusammen mit Ida, einer
anderen Doktorandin, auf Matti, unseren Professor, gewartet. Gemeinsam
haben wir dann noch Petra, die Dozentin, die Idas Doktorarbeit betreut
zuhause abgeholt, da sie in einem Vorort wohnt der sowieso auf dem Weg
lag. Dann ging es hauptsächlich über Landstraße nach Tampere und von
dort weiter nach Hyytiälä. Unterwegs gab es eine Frühstückspause am
Rasthof. Am Ziel angekommen, war außer uns noch niemand da. Tja, so ist
das, wenn man viereinhalb Stunden Zeit für 220 km Fahrt einplant. Selbst
mit der Pause und den Tempolimits auf finnischen Landstraßen und
Autobahnen war klar, dass wir frühzeitig ankommen werden ;-). Also haben
wir unsere Zimmer zunächst unter die Lupe genommen, Ida und ich haben
uns einen Raum geteilt, Petra sollte ein paar Zimmer weiter mit jemandem
aus Oulu untergebracht werden. Später stellte sich jedoch heraus, dass
das Zimmer neben Ida und mir noch unbesetzt war und Petras
"Mitbewohnerin" einen recht großen Hund dabei hatte. Somit zog sie dann
in den Raum neben uns - alle Turkuer vereint in einem Wohnbereich. Matti
als Professor war natürlich in einem etwas komfortableren Bereich
untergebracht... Da wir selbst nach dem Beziehen und Besichtigen der
Zimmer noch massig Zeit hatten, haben wir uns die Umgebung ein wenig
genauer angesehen und zum Beispiel die Lage der Sauna-Häuser erkundet.
Immerhin war es total sonniges Wetter und die Natur war wirklich schön.
Als wir wieder zurück kamen von unserem Spaziergang, war der Bus aus
Helsinki und Oulu bereits eingetroffen und das Mittagessen stand bereit.
Anschließend ging es los mit den ersten Vorträgen. Danach hatten wir
eineinhalb Stunden Pause zum Kaffee trinken, Fußball spielen,
Wandern/Spazieren oder den netten Vertriebsleuten von Sigma, einem
Hersteller von Laborchemikalien, ein wenig Info- und Werbematerial
abzuschwatzen. Immerhin haben sie die Konferenz zum großen Teil
gesponsort und wollen dafür natürlich auch etwas verkaufen ;-). Wir
haben uns für Kaffee und nochmal durch die Wälder laufen entschieden.
Das große Sauna-Haus am See...
... der seeeehr lang war ...
... und direkt am Waldrand lag.
Nach
der langen Pause gab es weitere Vorträge und dann endlich meine Chance,
mein Poster vorzustellen, eine Stunde Poster-Session. Geplant waren
eigentlich eineinhalb Stunden, doch die Vorträge haben ein bisschen
länger gedauert. Und Matti, der Moderator der zweiten Vortragsrunde war,
hat die Diskussionen recht lange laufen lassen. Vermutlich, weil er
selbst vor dem ersten Vortrag noch ein paar Sachen vorgestellt hatte und
dann nicht anderen Leuten die Zeit klauen wollte. Als Matti sich mein
Poster angesehen hat - er hatte es vorher nicht zu Gesicht bekommen -
hat er zum ersten mal ein paar genauere Ideen angesprochen, was ich noch
untersuchen sollte und wie die Arbeit so im groben verlaufen könnte.
Auch wenn das vor allem viel neue Arbeit bedeutet, fand ich das Gespräch
sehr gut. Denn bisher hatte ich das Gefühl, dass ihm die Versuche
meiner Arbeitsgruppe relativ wenig interessierten. Andererseits ist er
ständig unterwegs und koordiniert so viele Dinge, dass er für die
einzelnen Projekte einfach nicht so viel Zeit aufbringen kann. Zur
Erholung nach der Poster-Session ging es dann in die Sauna. Insgesamt gab es auf dem Gelände drei Saunen, eine im
Hauptgebäude in der auch der Essensraum war und zwei getrennte
Sauna-Häuser am See, die große und die kleine Sauna. Im großen
Sauna-Haus, wo wir Frauen schwitzen durften, gab es einen
Umkleide-Vorraum, in dem auch Bier und Cider bereit standen (allerdings
keine alkoholfreien Getränke...), vier Duschen und die große Sauna. Das
kleine Saunahaus (an diesem Abend die Männer-Sauna) verfügt angeblich
nicht über Duschen. Wassereimer stehen aber dennoch bereit. Und man hat
ja den See. Das mit dem See ist leider kein Scherz, mir wurde schon auf
der Hinfahrt prophezeit, dass ich das unbedingt probieren solle. Raus
aus der Sauna und rein ins Wasser. Das klingt sicherlich verlockend im
Sommer - wenn das Wasser um die 20°C hat. Aber im Herbst?! Ich war ja
immer noch skeptisch... Die Sauna hatte angenehm-feuchte 96 °C auf der
obersten Sitzbank.
Generell
gilt, je weiter oben man sitzt, desto wärmer ist der Spaß. Der
Sauna-Ofen war wohl von einer etwas älteren Sorte, er war sehr groß und
wird einmal tagsüber mit Feuer angeheizt und hält dann mehrere Stunden
die Wärme. Die neueren Sauna-Öfen sind häufig elektrisch. Dabei werden
dann Steine über eine Heizspirale aufgewärmt, das heizt natürlich
schneller auf, hält die Wärme allerdings auch nicht so lange.
Da saß ich also mit Ida auf der obersten Bank, bei unglaublich warmen 96
°C und musste mir die Ratschläge anhören, wie man sich am besten
überwindet, in den See zu springen. Als wir schon eine Weile dort saßen
und bereits überlegten, wie lange wir es noch aushalten, bevor wir uns
abkühlen wollten, kam auch Petra in die Sauna. Sie wollte wissen, ob ich
mich trauen würde, in den See zu gehen. Denn wenn, dann müsste sie als
Finnin ja mithalten. Das, ein gewisser Gruppenzwang und der Gedanke,
dass ich so etwas wohl schon ausprobieren sollte, wenn ich hier für
mehrere Jahre lebe, hat tatsächlich dazu geführt, dass ich nach der Saune mit Ida
den Steg zum See runtergelaufen bin - dabei habe ich mir selbst immer
wieder gesagt, dass die Finnen das schließlich alle machen und noch
leben, so dass auch ich das überleben werde (hoffentlich...). Auf der
ersten Stufe der Metall-Leiter habe ich mich nur noch gefragt, was ich
hier eigentlich mache und wollte schon wieder hoch gehen. Immerhin war
allein die Metallstufe schon sehr kalt, auch die Außentemperaturen bei
Wolkenfreiem Himmel fühlten sich nicht gerade warm an. Dennoch hab ich
die zweite Stufe genommen und mich dann ohne Nachzudenken von der Leiter
weggedrückt. Ansonsten wäre ich wohl wieder hochgeklettert. So war ich
bis zum Hals im Wasser und weit genug von der Leiter entfernt, dass ich
ein paar Schwimmzüge machen musste. Die ersten drei Sekunden im Wasser
war es einfach nur kalt. So kalt, dass es sich wie tausend kleine
Nadelstiche auf der Haut angefühlt hat. die nächsten paar Sekunden bis
zum Erreichen der Leiter fingen meine Finger und Zehen an, sich taub
anzufühlen. Ich bin schnell wieder hochgeklettert, habe mich in mein
Handtuch gewickelt und geflucht, wie kalt es ist während Ida ins Wasser
gegangen ist. Das Schimpfen und Bibbern ging etwa 20 Sekunden, dann
wurde mir auf einmal sehr warm. Wir standen immer noch draußen, feucht,
nur im Badeanzug und dennoch war mir warm. Zurück im Sauna-Haus habe ich
deshalb die Dusche vor der Sauna (die man immer nimmt, damit man 1.
feucht ist, wenn man die Sauna betritt und 2. keinen alten Schweiß mit
in die Sauna trägt der dann auf Dauer wohl den Geruch in der Sauna
negativ beeinflussen würde) kalt eingestellt. Gut abgekühlt ging es dann
erneut in den über 90 °C warmen Raum. Dort stellten sich dann langsam
Glücksgefühle ein. Ich hatte überlebt, keine Finger oder Zehen waren
blau angelaufen und ich hatte tatsächlich Lust, das ganze nochmal zu
machen. Im Nachhinein betrachtet weiß ich nicht, wieso. Ich schieb es
also auf den Endorphin-Ausschuss - böse Glückshormone... Insgesamt war
ich somit drei Mal in der Sauna, zweimal im See und habe nach dem
dritten mal richtig geduscht und mich fürs Abendessen fertig gemacht.
Das Abendprogramm sah ein Essensbuffet und drei Gruppen-Spiele vor. Nach
dem Pflicht-Teil gab es dann noch Getränke, Gespräche und die
Möglichkeit zu tanzen. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich keinen
großen Wert darauf lege, Kollegen von mir im angetrunkenen Zustand zu
fragwürdiger Musik tanzen zu sehen ;-). Eventuell hätte ich mehr trinken
sollen. Allerdings waren für den nächsten Tag ja noch einige Vorträge
geplant, sich betrinken war also keine so gute Option. Gegen Mitternacht
haben Ida und ich uns somit das Bett aufgesucht. Das Samstags-Programm
ähnelte im Großen und Ganzen dem Nachmittags-Programm vom Vortag. Erst
gab es Essen - in diesem Fall Frühstück. Anschließend mehrere Vorträge,
eine Kaffee-Pause, noch mehr Vorträge - darunter auch Idas Präsentation -
und abschließend noch ein gemeinsames Mittagessen. Da das Wetter heute
vormittag mit Nieselregen und kalten Temperaturen sowieso nicht zu
Spaziergängen eingeladen hatte, war das Fehlen einer längeren Pause auch
verkraftbar. Außerdem konnten wir so schon gegen 1:00 Uhr die Heimfahrt
antreten.
Fazit
des Wochenendes: Dadurch, dass insgesamt nur etwa 40 Teilnehmer da
waren, war das Treffen nicht ganz so anonym und dadurch selbst als
Neuling doch sehr angenehm. Außerdem habe ich nun den Punkt "Von der
Sauna in eiskaltes Wasser hüpfen" abgehakt und es überlebt. Was heißt,
dass ich es nun auch überleben werde, falls ich irgendwann im Winter zu
einem Sauna-Besuch mit Eisloch-Schwimmen eingeladen werden sollte. Wobei
ich nun nicht aktiv nach einer solchen Gelegenheit suchen würde. Trotz
massivem Ausstoß von Glückshormonen überwiegen im Moment dann doch mein
gesunder Menschenverstand und mein Überlebenstrieb. Und beide sagen mir,
es ist nicht normal, seinem Körper einen schnellen
Umgebungstemperatur-Wechsel von fast 100 °C anzutun. Obwohl diese
Waldforschungsstation wirklich in der Pampa liegt und es Herbst ist,
haben wir keine Elche gesehen :-(.

