Montag, 26. September 2011

Tallinn...

... ist echt schön. Die Stadt hat meiner Meinung nach den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2011" deutlich mehr verdient als Turku, mit der sie sich den Titel teilt. Das liegt einfach daran, dass Tallinn noch viele alte Gebäude hat, die zum Großteil wirklich schön erhalten oder restauriert worden sind. Die Altstadt hat einfach viel mehr Charme als diese 60er/70er-Jahre (neue) Innenstadt von Turku. 
Aber von Anfang an: Samstag Vormittag ging es mit dem Zug nach Helsinki, die Innenstadt ein wenig erkunden.

 Zunächst zur Felsenkirche (Temppeliaukiokirche)...
 die in den Felsen reingesprengt und dann zum Teil gemauert wurde. 


 Nur die rosa Polster-Bezüge passen meiner Meinung nach nicht rein.
 Dann vorbei an der orthodoxen Kirche...
 ... sowie dem protestantischen Dom. 

  Am späten Nachmittag ging es dann zum Fährhafen um mit der Fähre nach Tallinn überzusetzen. Am Fährterminal war erst einmal anstehen angesagt um die Tickets für die Hin- und Rückfahrt zu bekommen. Das Ticket dient gleichzeitig als Zugangskarte für die Kabine, falls man eine gemietet hat. Ich bin mit dem Cruise-Schiff nach Tallinn gefahren, habe auf dem Schiff übernachtet und es am nächsten Morgen verlassen. Das Cruise-Schiff ist sozusagen das Partyschiff. Die Fahrt dauert vergleichsweise lang (dreieinhalb Stunden) und an Board gibt es mehrere Restaurants, einen Supermarkt (für Alkohol und Süßes sowie eine Parfümerie und einen Design- und Spielwaren-Shop. Außerdem gibt es mehrere Bars, eine Disko, Karaoke und eine Bühne mit finnischer Stand-up Comedy und eine große Bühne samt Tanzfläche… und die hier allseits beliebten Spieleautomaten. 
Übersicht über das Cruise-Boot.
Zurück ging es dann mit der Shuttle-Fähre, da auf dem Cruise-Schiff kein Platz von Tallinn nach Helsinki mehr frei war. Ansonsten hätte ich auch meine Wertsachen in der Kabine lassen können während des Ausflugs in die Stadt. Die Shuttle-Fähre braucht nur zwei Stunden für die Strecke, dafür ist der Supermarkt kleiner, beziehungsweise Parfümerie und Design-Shop sind in den gleichen Laden integriert. Spieleautomaten und ausreichend Bars gibt es aber auch auf diesem Schiff. 
 Übersicht über das Shuttle-Boot.
Die Kabinen auf dem Schiff sind eigentlich okay, zumindest meine Ein-Mann-Kabine war ganz in Ordnung. Ein Fenster wäre natürlich nett gewesen, hätte allerdings mehr gekostet. Eine 4-Mann-Kabine fände ich dann vergleichsweise klein, da der Platz nicht deutlich mehr wird, nur die Anzahl an Betten (dann übereinander gebaut) nimmt zu. 
 Schlafbereich
Wohnbereich
Badezimmer
Das Publikum war wirklich etwas ungewöhnlich. Natürlich gab es „normale Touristen“ wie Martina und mich, die einfach günstig von Helsinki nach Tallinn kommen wollten, um die Stadt zu sehen. Im Restaurant beim Buffet gab es auch eine Familie, die auf dem Schiff den Geburtstag eines älteren Herren gefeiert haben. Und vereinzelt waren auch Familien mit kleineren Kindern auf dem Schiff. Aber die Mehrheit der Cruise-Schiff-Nutzer schienen hauptsächlich deswegen mit der Fähre zu fahren, weil man dort günstig Alkohol einkaufen kann. Die normalen Menschen haben sich vermutlich in ihre Kabinen verzogen oder aufs Außendeck oder in eines der Restaurants begeben. Der Rest teilte sich auf zwischen den Bars und dem Supermarkt. Theoretisch ist der Verzehr mitgebrachter oder auf dem Schiff gekaufter Getränke verboten. Aber das scheint nur wenige zu stören. Wer etwas mehr Geld hat und nicht auf dem Gang oder der Kabine mit dem Supermarkt-Alkohol feiern wollte, lies sich eben für etwas mehr Geld in der Bar reichlich mit Alkohol versorgen. Auch hier war das trinken noch günstiger, als in finnischen Bars. Nach etwa zwei Stunden fiel es die ersten Passagiere sichtlich schwer, noch gerade zu laufen und sicher zu stehen. Etwa zu der Zeit begannen die heranwachsenden weiblichen Passagiere, sich aufzutakeln für die Board-Disco oder das Abend-Programm auf der Bühne. Der Zweck dessen erschloss sich mir nicht ganz, da zu diesem Zeitpunkt wohl die wenigsten Jungs noch in der Lage gewesen wären, sie klar und deutlich statt doppelt und dreifach zu sehen ;-). 
Da wir das Schiff am Abend nicht mehr verlassen konnten, weil wir auf dem Schiff schlafen wollten, sind Martina und ich nach 2 Stunden zum Büffet gegangen, um Abendbrot zu essen. Hier konnte man viele der normalen Touristen wiedersehen, aber auch von denen waren recht viele schon leicht angetrunken. Was mich wirklich etwas schockierte war der Fakt, dass nicht nur junge Erwachsene sich auf dem Schiff die Kante gegeben haben, sondern auch Mittvierziger/ und –fünfziger nach etwa vier Stunden Hilfe beim Laufen gebrauchen konnten – Männer und Frauen. Nach vier Stunden hing dann auch schon ein vereinzelter Schuh irgendwo am Geländer im Gang und die ersten Leute irrten komplett orientierungslos über das Deck… Eine Weile war es lustig, die Leute zu beobachten, gegen Mitternacht haben wir dann dennoch entschlossen, in unsere Kabinen zu gehen. Immerhin wollten wir Tallinn sehen und ab 8:30 konnte man das Schiff morgens verlassen. In der Kabine habe ich den Fernseher noch einmal kurz eingeschalten. Man bekommt zwei Programme – ein Werbesender über die Fährgesellschaft und eine Live-Übertragung aus der Disco und dem Bühnenraum, immer im Wechsel geschalten. Nach Mitternacht war dort richtig was los und vom Geräuschpegel auf dem Flur ging die Feier die gesamte Nacht durch.
Entsprechend viele fertige Gesichter waren am nächsten Morgen zu sehen… Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Martina und ich als eine der ersten das Schiff verließen und die Innenstadt erreichten. Dadurch kam auch zu den Bildern einer menschenleeren Stadt. Gegen 11:00 Uhr füllte sich die Stadt dann jedoch schlagartig, da dann die ersten Shuttle-Fähren für die Tagestouristen, die nicht auf einem Boot nächtigen, anlegten.
 
Also ging es Sonntag früh los Richtung Innenstadt, vorbei an einem kleinen Schlosspark und durch das Stadttor hindurch. 

 Schlosspark
 Stadttor
Der erste Blick auf die Altstadt...
 ... mit schönen alten Häusern ...
 gefiel mir wirklich gut.
Um einen besseren Überblick über die Stadt zu bekommen, sind wir anschließend auf einen Kirchturm gestiegen, von dem aus man einen schönen Ausblick Richtung Meer und Innenstadt genießen konnte.
 Blick zur Ostsee
 und zur orthodoxen Kirche
sowie zum Schloss.
 Das Schloss von nahem...
 ... und der Marktplatz.
Nach der Kurzerkundung der Altstadt ging es weiter Richtung neuem Marktplatz/Innenstadt. Auch hier hat Tallinn optisch etwas mehr zu bieten, als Turku oder Helsinki. Als alte Hansestadt war wohl einfach mehr Geld da, um die Stadt schön aufzubauen. Dann weniger Feuer, die die Stadt zerstören und schon hat man einen tollen Altstadtkern. Solange nicht irgendwelche Idioten meinen, die Altstadt in einem Krieg kaputt zu bomben. Aber wie dem auch sei, die Bausünden der 60er und 70er Jahre halten sich in Tallinn wirklich im Rahmen.
 Der neue Marktplatz...
 ... mit einer Art modernem Denkmal.
 ein älteres Backstein-Gebäude neben einem Neubau. Die Mischung macht's...
 ... auch hier.
Leider war es dann um die Mittagszeit auch schon wieder so weit, morgen ist Arbeiten angesagt und somit ging es zurück nach Finnland. Erst per Fähre nach Helsinki und anschließend mit dem Zug nach Turku. Da die Fähr-Überfahrt an sich nicht sehr teuer ist und man wirklich schnell (je nach Fähre zwei bis drei Stunden) von Helsinki nach Tallinn fahren kann, werde ich sicherlich die Stadt noch weiter erkunden. Für einen ersten, wirklich schönen Eindruck haben die paar Stunden am heutigen Vormittag auf jeden Fall gereicht :-).

 Tschüß Tallinn...
 ... für mich geht es über die Ostsee...
... zurück nach Helsinki. 
 
Die Shuttle-Fähre wurde eindeutig von mehr normalen Touristen bereist, der Altersschnitt schien höher zu sein verglichen mit dem Cruise-Schiff und es gab tatsächlich mehrere Menschen, die Wasser oder Cola getrunken haben. Aber auch hier sah man Jugendliche und Erwachsene (auch 50+) mit Getränkedosen in der Hand, bevor das Schiff überhaupt den Hafen verlassen hat… Der Supermarkt war anfangs auch sehr voll, jedoch verglichen mit der Cruise-Fähre schon fast leer. Immerhin konnte man sich in den Gängen bewegen und die Kassenschlagen waren ein Zehntel so lang. Zugeschlagen wurde auch hier ordentlich. Immerhin sind die Angebote schon entsprechend gemacht. Die harten Alkoholika kosten in etwa so viel, wie am Flughafen im DutyFree-Shop. Außerdem gibt es zahlreiche nimm 3 für 2 oder 4 für 3-Angebote beim Alkohol und den Süßigkeiten… Und das besondere Highlight: 4 x 24 Dosen á 33cl Bier (0,33 Liter, also normale Dosen) in Pappkartons mit kleinem Rollwagen, damit man die Einkäufe auch komfortabel transportieren kann. Und das dann noch für 71% weniger Geld, als in Finnland. Hier mal das Plakat:
Für jeden Geschmack was dabei.
Wie gesagt, Tallinn gefiel mir wirklich gut, aber das nächste Mal werde ich wohl in beide Richtungen die Shuttle-Fähre buchen und dann über Couchsurfing nach einer günstigen Schlafgelegenheit in der Stadt schauen. Dann hab ich auch gleich nette Stadtführer und die Möglichkeit, mir mehr Zeit zum Sightseeing zu nehmen :).
 

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