... ging es für uns am Abend wieder
zurück nach Finnland - schließlich waren die Osterfeiertage dann auch
schon wieder vorbei. Aber da unsere Fähre erst um 18 Uhr ablegte,
konnten wir noch einen ganzen Tag in der Stadt verbringen. Nach dem
Auschecken aus unserem Hostel und einem kurzen Frühstück am Markt haben
wir unser Gepäck zum Hafen gebracht. Von da liefen wir entlang der
Ostseeküste zu einem alten Gefängnis, das heute als Museum dient. Auf
dem Weg dahin kamen wir an einem riesigen Bauwerk vorbei, das mir ein
paar Rätsel aufgegeben hat:
Die erste Ebene nach dem ersten Treppenaufgang, allein dieses Plateau war gigantisch groß.
Der
Blick von der zweiten, obersten Ebene in Richtung Meer. In der Mitte
zwischen den zwei Stegen befindet sich ein Hubschrauber-Landeplatz.
Wie
gesagt, mir erschloss sich vor Ort nicht, wozu dieses Gebäude mal
gedient haben könnte. Für einen Militär-Hafen wäre es mit den vielen
Treppen wohl eher unpraktisch gewesen. Aber für Tourismus-Zwecke würde
man doch nicht wirklich einen Hubschrauber-Landeplatz benötigen.
Glücklicher Weise findet man heutzutage im Internet ja auf jede Frage
eine Antwort... Es handelt sich um die Linnahall, die Stadthalle
Tallinns, welche 1980 zum Anlass der olympischen Spiele in Moskau
errichtet wurde - die Segel-Wettbewerbe fanden damals vor Tallinn statt.
Die Stadthalle beherbergt wohl eine Eissporthalle, einen Konzertsaal und ein 6000 m² großes Foyer.
Nach
dem Abstecher zu diesem riesigen Bauwerk haben wir unseren Weg zum
Gefängnis fortgesetzt und mussten dort feststellen, dass wir lieber die
Öffnungszeiten zu Ostern vorab erfragt hätten. Das Gefängnis-Museum war
geschlossen. Also haben wir den restlichen Tag erneut in der Altstadt
verbracht. Auf einem kleinen mittelalterlichen Markt gab es die
Möglichkeit, eine "Glücksmünze" selbst zu prägen. Dazu legt der nette
Händler einen Münz-Rohling in einen Metall-Zylinder, der am Boden mit
einem der beiden Prägemotive ausgestattet ist. Anschließend verschließt
er den Metall-Zylinder mit einem Metall-Stab, an dessen Unterseite das
zweite Motiv befestigt ist. Man selbst darf dann mit dem Hammer drei Mal
kräftig draufhauen. Der "Legende" nach geht innerhalb eines Jahres ein
Wunsch in Erfüllung, an den man während des Prägens denkt... Mir ging es
beim Prägen mehr um die Münze als Andenken, als um den Wunsch, aber
vielleicht erfüllt er sich ja dennoch - schaden kann es ja nicht, sich
dabei etwas zu wünschen :). Natürlich hab ich auch ein Bild von meinem
Ergebnis:
Meine Tallinn-Münze, mit der Siluette der Stadt auf der einen Seite und dem Domberg auf der Anderen.
Nachdem
wir uns anschließend mit einem Eierkuchen gestärkt haben, wollten wir
den kulturellen Teil der Reise mit dem Folter-Museum abschließen. In dem
Museum war ich etwas erstaunt, wie viele Folterwerkzeuge in Deutschland
erfunden wurden oder zumindest hauptsächlich dort verbreitet waren!
Eigentlich fiel es auch nicht mir auf, sondern meinen Kollegen, die den
restlichen Tag merkwürdig zuvorkommend und freundlich waren ;).
In den letzten eineinhalb Stunden in Tallinn haben wir dann noch einmal ausgenutzt, dass
die Geschäfte auch an Ostern geöffnet waren, und sind Einkaufen
gegangen. Das war allerdings nicht meine Idee, denn ich wusste schon,
wie das endet. Die Leute, die unbedingt shoppen gehen wollten, haben am
Ende des Tages nichts zum Kaufen gefunden. Und ich, wo ich doch
eigentlich kein Interesse hatte, durfte den restlichen Tag meinen
Einkauf durch die Gegend tragen: eine neue Kaffee-Maschine. Meine aus
Deutschland mitgebrachte Kaffeepad-Maschine hat nun endgültig den Geist
aufgegeben, nachdem sie mir die letzten Wochen schon sehr wässrigen,
lauwarmen Kaffee serviert hatte. Allerdings konnte ich mich in den
Kaufhäusern in Turku bisher nicht entscheiden, welches Kaffee-System nun
bei mir Einzug halten sollte. Das Finnland-eigene System scheidete
allein schon deshalb aus, weil mir die am weitesten verbreitete
Kaffeemarke nicht schmeckt. Eine normale Kaffee-Maschine ist für wenige
Tassen eher ungeeignet und übrig blieb das "Dolche Gusto"
Kaffee-Kapsel-System, das mit seinen riesigen Kapseln nicht nur viel
Plastikmüll produziert, sondern auch noch erstaunlich wenig
Geschmackrichtungen im Angebot hat. In einem Elektro-Markt in Tallinn
fiel mir dann eine Senseo Kaffeepad-Maschine ins Auge. So kann ich nun
auch meinen Vorrat an Kaffeepads weiter aufbrauchen und bekomme gewohnt
leckeren Kaffee am Morgen.
Mit der
neu erworbenen Kaffeemaschine im Gepäck haben wir dann unsere Taschen am
Hafen aus dem Schließfach geholt, uns auf die Fähre begeben und erst
einmal die Rückkehr von Helsinki nach Turku geplant. Da wir ungern zwei
Stunden auf den nächsten Zug warten wollten, haben wir am Hafen das
erstbeste, freie Taxi genommen und hatten scheinbar viel Glück, einen
belgischen Taxi-Fahrer zu erwischen. Der war nicht nur froh, mal wieder
alle möglichen Sprachkenntnisse aufzufrischen (Französisch, Deutsch,
Niederländisch) sondern hat auch noch sein Bestes gegeben, um uns
möglichst schnell zum Bahnhof zu bringen. Dank ihm haben wir tatsächlich
noch den frühen Zug erwischt und es vor Mitternacht ins Bett geschafft.
Die erste Nacht zurück im eigenen Bett war wundervoll, nur leider viel
zu kurz, denn am Dienstag morgen ging es ja wieder direkt zurück ins
Labor.
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